Monterey 2026: Rekordauktionen, gespaltener Markt, und was davon in Deutschland ankommt
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853 von 1.124 angebotenen Autos haben bei den Auktionen der Monterey Car Week 2026 einen Käufer gefunden, eine Verkaufsquote von 76 Prozent, auf den Punkt dieselbe wie 2025. Der Umsatz der fünf Auktionshäuser hat sich trotzdem fast verdoppelt: 755,6 Millionen US-Dollar zwischen dem 13. und 15. August 2026, nach 432,8 Millionen im Vorjahr und 471 Millionen im bisherigen Rekordjahr 2022, so die Abschlusszählung von Hagerty; selbst ohne das 40-Millionen-Wohltätigkeitslos bleiben 715,6 Millionen. Hagertys eigene Prognose hatte bei 500 Millionen gelegen. Die Erklärung steckt nicht in der Breite, sondern in der Spitze: Elf Autos wechselten für achtstellige Beträge den Besitzer, mehr als in den fünf Monterey-Wochen zuvor zusammen. Der Durchschnittspreis stieg von 529.034 auf 885.765 US-Dollar.
Kurzfazit: Monterey 2026 war mit 755,6 Millionen US-Dollar die teuerste Auktionswoche aller Zeiten, getragen von Ferrari-Halo-Modellen, einem 42,9-Millionen-Cobra und modernen Supersportwagen, während Autos der 1950er und 1960er im Median unter ihrem Richtwert blieben. Für deutsche Besitzer ist das ein US-Markt in US-Dollar, kein Preisspiegel für den Euro-Raum, die Richtung aber, Spitze oben und Breite unter Druck, deckt sich mit dem, was classic-analytics und Hagerty seit Monaten für den Alltagsmarkt messen.
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Die Zahlen: Rekord ohne Breite
Der Grund: 180 Lose waren mit mindestens einer Million US-Dollar taxiert, 24 Prozent mehr als 2025. Bei mindestens fünf Millionen zählte Hagerty 29 Lose, ein Plus von 71 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Beide Werte zeigen: Die Spitze wuchs deutlich schneller als der Rest des Katalogs. Zum ersten Mal lag die Summe der unteren Schätzwerte aller fünf Auktionen vor dem ersten Zuschlag über 600 Millionen US-Dollar. Volumen und Verkaufsquote blieben flach, das Geld kam aus teureren Autos und einer ungewöhnlich dichten Reihe sieben- und achtstelliger Einlieferungen.
So verteilte sich der Umsatz auf die fünf Häuser (Hagerty-Zählung, inkl. Aufgeld):
| Haus | Umsatz (Mio. USD) | Verkaufsquote | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| RM Sotheby’s | 376,1 | 88 % | Haus selbst meldet 380 Mio. höchste Summe seiner 29 Monterey-Auktionen |
| Gooding Christie’s | 158,8 | 94 % | k. A. |
| Broad Arrow | 97,4 | 85 % | Erstmals offizieller Auktionspartner des Quail |
| Mecum | 111,4 | 62 % | Eigene Meldung: 114 Mio. USD |
| Bonhams | 11,9 | 77 % | In diesem Jahr nach Laguna Seca umgezogen |
Im Vorjahr hatte Bonhams am Quail noch 44,2 Millionen umgesetzt.
Wer das Geld bekam: Ferrari, Supersportwagen und ein Cobra
Sieben der zehn teuersten Autos der Woche trugen das Cavallino. Die Rangliste führt trotzdem ein Amerikaner an: das 1964er Shelby Cobra Daytona Coupé, das bei Gooding Christie’s für 42.905.000 US-Dollar zugeschlagen wurde, Rekord für ein amerikanisches Auto. Dahinter der Ferrari Luce „Tailor Made“ mit Chassisnummer 0, das erste Exemplar von Ferraris erstem Elektroauto, als Wohltätigkeitslos bei RM Sotheby’s für 40 Millionen versteigert, rund das Sechzigfache des Listenpreises. Dahinter folgte Nick Masons McLaren F1 GTR von 1996, der für 34.655.000 US-Dollar zugeschlagen wurde, Rekord für McLaren und für jedes britische Auto auf einer Auktion; der bisherige F1-Bestwert lag bei 5,28 Millionen. Die 1963er Corvette Grand Sport, eine von fünf, erzielte 18.705.000 US-Dollar, ein Vielfaches der 4,9 Millionen, bei denen das letzte Exemplar 2009 unverkauft geblieben war.
Bei den modernen Ferrari fielen die Rekorde im Tagesrhythmus, und die Woche zeigte, wie schnell sich Wertsteigerungen bei jungen Supersportwagen inzwischen einstellen. Die wichtigsten Zuschläge, alle inklusive Aufgeld:
- 288 GTO: 11.555.000 US-Dollar, F40: 8.365.000 US-Dollar, beides neue Bestmarken.
- F50: 14.575.000 US-Dollar bei Mecum, 12.105.000 bei RM Sotheby’s, so groß war die Preisspanne zwischen den Häusern.
- LaFerrari: 8.695.000 US-Dollar; Daytona SP3 von 2023: 17.825.000 US-Dollar, weit über der Schätzung von 10 bis 12 Millionen US-Dollar.
Der Enzo zeigte binnen einer Woche dreimal, wie stark Laufleistung und Farbe den Preis bestimmen: Bei Mecum brachte ein 595-Meilen-Exemplar 12.100.000 US-Dollar, bei Broad Arrow ging ein schwarzes Exemplar für 10.675.000 US-Dollar weg, bei RM Sotheby’s ein rotes für 9.410.000. Macht 2,7 Millionen Dollar Spreizung, für dasselbe Modell, in derselben Woche. Hagerty zählte über ein Dutzend Rekorde für moderne Supersportwagen, darunter Lamborghini Countach LP400S (2,4 Millionen) und Murciélago LP640 (3,1 Millionen).
Auch Vorkriegsautos gewannen 2026 wieder Marktanteile zurück: Der 1935er Duesenberg Model JN Rollston, gebaut für Clark Gable, brachte bei RM 9.080.000 US-Dollar, der dritthöchste Preis, der je für einen Duesenberg gezahlt wurde. Ein 1934er Packard Twelve setzte mit 4.295.000 US-Dollar eine Markenbestmarke, ein 1937er Delage D8-120 S mit 5.780.000 ebenfalls.
| Platz | Fahrzeug | Preis (US-Dollar, inkl. Aufgeld) | Auktionshaus |
|---|---|---|---|
| 1 | 1964 Shelby Cobra Daytona Coupé | 42.905.000 | Gooding Christie’s |
| 2 | 2026 Ferrari Luce „Tailor Made“ (Charity-Los) | 40.000.000 | RM Sotheby’s |
| 3 | 1996 McLaren F1 GTR | 34.655.000 | RM Sotheby’s |
| 4 | 1963 Chevrolet Corvette Grand Sport | 18.705.000 | RM Sotheby’s |
| 5 | 1963 Ferrari 250 P | 18.705.000 | Gooding Christie’s |
| 6 | 2023 Ferrari Daytona SP3 | 17.825.000 | RM Sotheby’s |
| 7 | 1996 Ferrari F50 | 14.575.000 | Mecum |
| 8 | 1995 Ferrari F50 | 12.105.000 | RM Sotheby’s |
| 9 | 2003 Ferrari Enzo | 12.100.000 | Mecum |
| 10 | 1985 Ferrari 288 GTO | 11.555.000 | RM Sotheby’s |
Die andere Hälfte des Katalogs
Hagerty beschrieb den Markt so: Autos der 1950er und 1960er stellten mehr als ein Drittel aller Lose, und waren die einzigen beiden Jahrzehnte, in denen der Median der Zuschläge unter dem zustandsgerechten Wert des Hagerty Price Guide lag. Ohne das Daytona Coupé gerechnet, verkauften sich die Sechzigerjahre-Autos im Median 6,2 Prozent unter Richtwert. Fahrzeuge der 1980er bis 2020er dagegen erzielten Medianaufschläge von 31 bis 38 Prozent. Hagertys Formulierung: „Es gibt hier keine steigende Flut. Jedes Auto verdient sein Ergebnis einzeln, und Vertrautheit allein erzeugt keine Nachfrage.“
Das britische Magazin Magneto zählte die Gegenbeispiele: Ein 1970er Hemi ‚Cuda mit NHRA-Historie blieb bei 250.000 US-Dollar gegen eine Erwartung von 340.000 bis 360.000 unverkauft. Eine Chevelle LS6 stoppte bei 275.000 US-Dollar gegen eine Schätzung von 370.000 bis 400.000. Ein Mustang Boss 429 erreichte dagegen laut Magneto 506.000 US-Dollar und lag damit knapp über seiner Schätzung von 450.000 bis 500.000 US-Dollar. Ein matching-numbers Ferrari 365 GTC brachte 841.000 US-Dollar, nominal 160.000 weniger als bei seinem letzten Verkauf 2020, trotz hochwertiger Restaurierung. Andererseits: Ein stahlkarossierter Ferrari 308 GTB von 1979 bei Gooding erzielte 131.600 US-Dollar gegen 80.000 bis 100.000 Schätzung, 31,6 Prozent über der Obergrenze. Magnetos Fazit: Käufer waren bereit, viel auszugeben, aber sie blieben wählerisch; die gewöhnlichen 356 und frühen 911 hielten sich, während einige vermeintliche Blue-Chip-356-Varianten an ehrgeizigen Schätzungen scheiterten.
Die deutschen Marken in Monterey
Für deutsche Sammler zählen vor allem die Ergebnisse bei Mercedes 300 SL und Porsche 959/Carrera GT, auch wenn die Preise in US-Dollar auf einer US-Auktion erzielt wurden. Ein 1955er Mercedes-Benz 300 SL Flügeltürer erzielte bei Gooding Christie’s 2.975.000 US-Dollar, ein 300 SL Roadster von 1957 bei Broad Arrow 2.040.000. Der 1995er Mercedes-Benz E 60 AMG brachte bei Bonhams 313.000 US-Dollar. Den Rekord setzte ein jüngeres Modell: Ein SLS AMG Black Series mit 179 Meilen erzielte bei Mecum 1.815.000 US-Dollar, laut Hagerty 93 Prozent über der bisherigen Bestmarke.
Bei Porsche wiederholte sich die Spreizung nach Spezifikation: Ein 959 Sport von 1989 brachte bei RM Sotheby’s 7.045.000 US-Dollar (Rekord), ein 959 Komfort in Graphitmetallic bei Broad Arrow 2.865.000. Ein Carrera GT mit 3.480 Meilen wurde bei Mecum für 3.575.000 US-Dollar verkauft; ein zweiter mit nur 372 Meilen blieb trotz eines Höchstgebots von vier Millionen unverkauft. Das passt zu dem, was Hagertys Bewertungstool für das Modell inzwischen ausweist: rund 2,3 Millionen US-Dollar für Zustand 3, mehr als 90 Prozent über dem Vorjahr. Ein 2004er Gemballa Mirage GT auf Carrera-GT-Basis erzielte 3.960.000 US-Dollar. Ein 1932er Alfa Romeo 8C 2300 Lungo Spider und ein Porsche 907 Langheck von 1968 lagen bei Gooding mit je 3.305.000 US-Dollar gleichauf.
Was davon in Deutschland ankommt: und was nicht
Monterey ist der US-Markt, abgerechnet in Dollar, mit globalem Käuferkreis. Für viele ist ein Ferrari-Halo-Modell dabei auch ein Ticket für die nächste limitierte Zuteilung. Hagerty beschreibt diese „strategische Nachfrage“ ausdrücklich als Preistreiber. Wer daraus ableitet, sein 300 SL oder sein W124 in Deutschland sei über Nacht teurer geworden, überträgt einen Auktionsmarkt auf einen Händler- und Privatmarkt, der in Euro und nach anderen Regeln läuft. classic-analytics meldete für den deutschen Handel zuletzt rund drei Prozent niedrigere Preise als im Vorjahr und weniger verkaufte Autos; der Deutsche Oldtimer-Index des VDA legte zum 1. Januar 2025 nur um 1,85 Prozent zu. Wie sich diese beiden Welten seit dem Frühjahr auseinanderentwickeln, haben wir in Wertanlage Oldtimer 2026 nachgezeichnet.
Was vom Monterey-Ergebnis nach Deutschland durchschlägt, ist die Marktstruktur. Dieselbe Spaltung, die Hagerty in Monterey zwischen „dem Unersetzlichen und allem anderen“ beschreibt, zeigt sich im deutschen Markt eine Preisklasse tiefer: Dokumentierte, originale Fahrzeuge in Top-Zustand finden Käufer, Durchschnittsware aus den 1950ern bis 1970ern mit ehrgeizigen Preisvorstellungen bleibt unverkauft. Der Median-Rückstand der Sechzigerjahre-Autos ist kein Urteil über einen deutschen 220 S. Er zeigt aber, wohin die Nachfrage wandert, wenn selbst in der teuersten Woche des Jahres der Name allein nicht mehr reicht. Welche Modelle das in Deutschland konkret trifft und was Halter für den Werterhalt tun können, steht in Werterhalt oder Wertverlust.
Zwei Lehren lassen sich ohne Währungsumrechnung übertragen. Erstens: Innerhalb eines Modells entscheidet inzwischen die Akte, drei Enzo, drei Preise, 2,7 Millionen US-Dollar Abstand nach Laufleistung und Spezifikation; zwei Carrera GT, einer verkauft, der andere trotz höherem Gebot nicht. Zweitens: Der Markt bezahlt Seltenheit plus Belegbarkeit, nicht Alter. Vorkriegsautos gewannen in Monterey Anteile zurück, aber nur mit lückenloser Provenienz, wie der für Clark Gable gebaute Duesenberg zeigt, und am Sonntag gewann ein Duesenberg SSJ Special Speedster, einer von nur zwei gebauten, einst demselben Schauspieler geliehen, heute im Besitz des Sammlers Harry Yeaggy, unter 200 Teilnehmern den Best-of-Show-Preis des 75. Pebble Beach Concours d’Elegance, dem letzten unter Vorsitzender Sandra Button nach 40 Jahren. Die nächsten großen Auktionen stehen laut Hagerty erst im Januar an, dann zeigt sich, ob sich die Kluft zwischen Spitzenlosen und breitem Markt weiter vertieft. Wie der Markt in diese Saison gestartet ist, haben wir in Oldtimer-Auktionen Frühjahr 2026 festgehalten.

