Welche Oldtimer verlieren 2026 an Wert – und warum
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Ein VW T2 Samba mit 23 Fenstern stand im Vorquartal noch bei 185.000 US-Dollar in den Bewertungen des Hagerty Price Guide. Zum Jahresbeginn 2026 taxiert dieselbe Quelle denselben Bus in Zustand 2 auf 150.000 US-Dollar. Das sind 35.000 Dollar weniger — ein Minus von rund 19 Prozent innerhalb eines einzigen Quartals. Hagerty bewertet in US-Dollar; grob umgerechnet entspricht das einem Rückgang von etwa 170.000 auf 138.000 Euro. Das ist kein Ausreißer, sondern Teil eines breiteren Musters, das die Hagerty-Daten für den Jahresbeginn 2026 zeichnen.
Kurzfazit: Der Hagerty Market Index fiel im März 2026 auf den niedrigsten Stand seit über vier Jahren — 17 Prozent unter dem Höchststand vom Dezember 2022. Konkret betroffen: der VW T2 Samba (23-Fenster) mit -19 Prozent und der Porsche 968 mit -17 Prozent. Das Top-Segment und aufstrebende Youngtimer zeigen dagegen eine andere Richtung.
Inhalt dieses Beitrags
- VW T2 Samba: Warum gerade der 23-Fenster-Bus nachgibt
- Porsche 968: 17 Prozent Minus ohne große Schlagzeilen
- Was der Hagerty Market Index über den Gesamtmarkt sagt
- Das Top-Segment hält — Supercars als Ausnahme von der Regel
- Youngtimer als Gewinner des demografischen Wandels
- Was die Daten für Käufer und Verkäufer bedeuten
VW T2 Samba: Warum gerade der 23-Fenster-Bus nachgibt
Der Rückgang beim VW Typ 2 Samba (23-Fenster, Baujahre 1950–67) betrifft ausdrücklich die restaurierten Topexemplare in Zustand 2 — also Fahrzeuge, die noch vor kurzem die höchsten Preise erzielten. Laut Hagerty Price Guide fiel der Wert zwischen Q4 2025 und Q1 2026 von 185.000 auf 150.000 US-Dollar.
Bemerkenswert dabei: Unveränderte 13-Fenster-Busse und Kombis waren von diesem Rückgang nicht betroffen. Das deutet darauf hin, dass es sich nicht um eine allgemeine Skepsis gegenüber dem T2 handelt, sondern um eine Korrektur in einem sehr spezifischen, zuvor stark überhitzten Teilsegment — dem hochpolierten, vollständig restaurierten Samba-Bus, der in den Vorjahren teils als Renditeobjekt gehandelt wurde.
Porsche 968: 17 Prozent Minus ohne große Schlagzeilen
Weniger spektakulär in der Außenwirkung, aber fast ebenso scharf im Ausmaß: Der Porsche 968 (Baujahre 1992–95) verlor laut Hagerty in demselben Zeitraum 17 Prozent seines Wertes. Absolute Preisangaben weist die Quelle für dieses Modell nicht aus — die prozentuale Bewegung ist aber klar dokumentiert.
Der 968 hatte in den Jahren nach 2020 stark zugelegt, weil er als „unterschätzter Porsche“ galt und von einer jüngeren Käuferschicht entdeckt wurde. Eine solche Neubewertungsrally ist strukturell anfällig: Wenn die Kaufbereitschaft nachlässt, gibt der Preis schnell wieder nach, weil die ursprüngliche Nutzerbasis klein bleibt und keine stabile Nachfrage trägt.
Was der Hagerty Market Index über den Gesamtmarkt sagt
Der Hagerty Market Index stand im März 2026 bei 171,04 Punkten — der dritte Rückgang in Folge und der niedrigste Wert seit über vier Jahren. Gegenüber dem Höchststand im Dezember 2022 entspricht das einem Rückgang von 17 Prozent. Dieser Index misst die Preisbewegungen über ein breites Spektrum von Sammlerfahrzeugen hinweg.
Das Hagerty Market Rating — ein separater Indikator, der die Marktlage qualitativ einordnet — stand im März 2026 bei 59,01 Punkten, ein leichter Anstieg um 0,56 Punkte. Dieser Wert liegt im Bereich zwischen 50 und 60, den Hagerty als „flachen Markt“ klassifiziert. Der Index befindet sich seit fast einem Jahr in genau diesem Korridor. Dave Kinney, Publisher of the Hagerty Price Guide, fasste die Auktionsergebnisse des ersten Quartals so zusammen: „Die Auktionen zeigen viel Enthusiasmus für hochwertige Autos, die eine junge Zielgruppe ansprechen. Gleichzeitig haben viele in denselben Auktionen verkaufte Autos nur mäßige Ergebnisse erzielt, mit einem insgesamt leichten Abwärtstrend.“
Das Top-Segment hält — Supercars als Ausnahme von der Regel
Während der breite Markt abkühlt, hielt das absolute Top-Segment zum Jahresbeginn 2026 stand. Hagerty Media berichtete im März 2026 über Rekordverkäufe bei Supercars: Ein Ferrari Enzo erzielte einen Preis im achtstelligen Bereich, ein Porsche Carrera GT wurde für 6,7 Millionen US-Dollar versteigert.
Das ist keine Widersprüchlichkeit, sondern eine Verschiebung: Der Markt für seltene, begehrte Fahrzeuge mit klarer Nachfrageseite funktioniert nach anderen Regeln als der Markt für restaurierte Massenklassiker, die in den Jahren 2020 bis 2022 von einem breiten Käuferpublikum in die Höhe getrieben wurden. Was damals als flächendeckende Hausse wirkte, war oft nur ein Preisanstieg in bestimmten, gut sichtbaren Segmenten.
Youngtimer als Gewinner des demografischen Wandels
Parallel zur Abkühlung bei klassischen Oldtimern zeigt sich ein mehrjähriger Aufwärtstrend bei Youngtimern. Der Honda NSX der ersten Generation legte (Stand April/Mai 2026) seit 2021 um 42 Prozent zu, der Mercedes-Benz 500 E im selben Zeitraum um 41 Prozent.
Youngtimer sind dabei keine gesetzlich geregelte Kategorie, sondern eine Versicherungs- und Sammler-Konvention: Fahrzeuge mit Erstzulassung vor mindestens 20, aber unter 30 Jahren. Mit dem Erreichen der 30-Jahres-Grenze wechselt der Status in die Oldtimer-Kategorie und ermöglicht die Zulassung mit H-Kennzeichen nach § 23 StVZO — steuerliche Vergünstigungen des H-Kennzeichens gelten für Youngtimer selbst jedoch nicht. Die steigende Nachfrage erklärt sich vor allem durch eine jüngere Käuferschicht, die mit Fahrzeugen der Post-1990-Ära aufgewachsen ist und diese als alltagstauglicher einschätzt als Klassiker der 1950er und 1960er Jahre.
Hagerty-Experten prognostizierten bereits Ende 2025, dass 2026 sieben der zehn teuersten Auktionsverkäufe auf Fahrzeuge mit Baujahr nach 1990 entfallen werden. Diese Verschiebung ist kein kurzfristiges Phänomen, sondern das Ergebnis eines strukturellen demografischen Wandels in der Käuferschaft.
Was die Daten für Käufer und Verkäufer bedeuten
Besonders unter Druck stehen Fahrzeuge, die in der Niedrigzinsphase 2020–2022 überproportional teuer wurden und deren Preissteigerung wesentlich von spekulativer Nachfrage getragen war — nicht von einer stabilen, enthusiastengetriebenen Käuferbasis. Der VW T2 Samba und der Porsche 968 sind zwei dokumentierte Beispiele dafür.
Für Verkäufer bedeutet das: Wer ein überdurchschnittlich restauriertes Fahrzeug aus einem solchen Segment hält, steht unter Zeitdruck, wenn er Gewinne aus der Boom-Phase mitnehmen will. Für Käufer gilt das Gegenteil — der aktuelle Preisrückgang bei bestimmten Modellen schafft Einstiegsmöglichkeiten, die es 2022 nicht gab. Dass der Hagerty Market Index mit 171,04 Punkten im März 2026 so tief steht wie seit vier Jahren nicht mehr, ist für Verkäufer unangenehm. Für geduldige Käufer sieht dieselbe Zahl anders aus.

