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Schraubertipp: Vergaser einstellen und reinigen — Weber, Solex und SU am Oldtimer

Schraubertipp: Vergaser einstellen und reinigen — Weber, Solex und SU am Oldtimer

Zuletzt aktualisiert am

Lesedauer: 10 Min.

Vier Prozent CO im Leerlauf — das ist der Zielwert, den ein erfahrener BMW-02-Schrauber in seinem Forum nennt. Vier Prozent. Klingt wenig, aber wer schon mal versucht hat, einen Doppelweber auf diesen Wert zu trimmen, der weiß: Das sind vier Prozent harte Arbeit. In meiner Werkstatt dauert eine saubere Vergaser-Überholung mit anschließender Einstellung mindestens einen vollen Tag. Wer meint, das gehe mal schnell am Wochenende, der wird frustriert aufgeben — oder schlimmer: den Vergaser verstellen, bis gar nichts mehr funktioniert.

Die Diagnose vor der Therapie

Bevor Sie auch nur eine Schraube anrühren, müssen Sie verstehen: Ein Vergaser ist kein Teufelswerk, sondern Präzisionsmechanik. Das Problem ist meist nicht die Einstellung, sondern Dreck, Falschluft oder verschlissene Teile. Aus meiner Zeit in England kenne ich das so: Erst sauber machen, dann einstellen. Niemals umgekehrt.

Der erste Griff geht an die Ansaugbrücke. Spritzen Sie bei laufendem, warmem Motor Bremsenreiniger an alle Flanschverbindungen zwischen Vergaser und Zylinderkopf. Springt die Drehzahl hoch, haben Sie Falschluft gefunden. Das ist häufiger als man denkt — laut Motor-Talk Forum berichten Nutzer regelmäßig von diesem Problem bei Weber-Vergasern. Ohne dichte Flansche können Sie sich die ganze Einstellerei sparen.

Zweiter Punkt: der Benzindruck. Eine falsch eingestellte elektrische Benzinpumpe kann mehr Schaden anrichten als ein verschmutzter Vergaser. Der Benzindruck muss korrekt eingestellt sein. Mehr macht die Schwimmerkammer zum Überlaufbecken, weniger führt zu Abrissern bei Vollgas. Messen Sie das mit einem Kraftstoffdruckprüfer — Schätzungen bringen nichts.

Vergaser zerlegen — nur wer sauber arbeitet, bekommt saubere Ergebnisse

Eine Grundreinigung ohne Zerlegung ist Zeitverschwendung. In den Leerlaufkanälen sammelt sich über Jahre ein Gemisch aus Benzinrückständen und Staub, das auch der beste Vergaserreiniger nicht löst. Also: Vergaser runter, ausbauen, komplett zerlegen.

Hier brauchen Sie Ordnung. Legen Sie alle Teile auf ein sauberes Tuch und fotografieren Sie jeden Zerlegungsschritt mit dem Handy. Besonders bei Weber DCOE mit ihren vielen kleinen Düsen verliert man schnell den Überblick. Die Explosionszeichnung aus dem Weber-Servicehandbuch hilft — eine PDF-Version finden Sie bei centerlinealfa.com.

Die Schwimmerkammer öffnen Sie vorsichtig. Schwimmer aus Kunststoff können durch Benzin aufquellen, Messingausführungen bekommen Löcher. Ein defekter Schwimmer bedeutet: überlaufende Schwimmerkammer, Benzin im Ansaugrohr, Brandgefahr. Das ist kein Schreckgespenst — solche Vorfälle können durchaus auftreten.

Das Ultraschallbad — wo die echte Reinigung beginnt

Vergaserreiniger aus der Sprühdose ist für die Oberflächenreinigung. Für verstopfte Düsen und Kanäle brauchen Sie ein Ultraschallbad. 40 kHz Frequenz, 15 Minuten bei 60 Grad, dazu einen speziellen Vergaserreiniger — nicht das billige Zeug vom Baumarkt, sondern professionelle Reinigungschemie.

Alle Düsen kommen separat ins Bad. Hauptdüsen, Luftkorrekturdüsen, Leerlaufdüsen — jede einzeln. Danach mit Druckluft durchblasen, niemals mit Draht oder Bohrern nachhelfen. Ein einziger Kratzer in einer Präzisionsdüse kann das ganze Fahrverhalten ruinieren.

Die Vergasergehäuse selbst vertragen das Ultraschallbad meist gut, aber Vorsicht bei Gummiteilen und Membranen. Die gehören nicht ins Bad, sondern werden von Hand mit Silikonentfetter gereinigt.

Der Weber DCOE — Präzision in allen Lebenslagen

Der Weber DCOE 45 Doppelvergaser von vorne fotografiert mit zwei großen Ansaugöffnungen, oberen Schwimmern und der Markenprägung auf dem Aluminiumgehäuse.
Weber DCOE 45 — klassischer Tuning-Vergaser im Studio-Licht.

Weber DCOE sind die Königsklasse unter den Sportluftfiltern. Zwei Doppelregister, vier Zylinder, jeder mit seiner eigenen Drosselklappe. Das bedeutet: perfekte Zylinderfüllung, aber auch viel Arbeit bei der Einstellung.

Das Schwimmermaß ist kritisch. Für einen Weber 45 DCOE 152 beträgt es exakt 12 Millimeter — gemessen zwischen der Schwimmerkammerunterkante und der tiefsten Stelle des Schwimmers bei umgedrehtem Vergaserdeckel. Nicht 11,5, nicht 12,5 — 12 Millimeter. So steht es in der technischen Dokumentation, die ich von Scribd kenne.

Die Synchronisation erfolgt mechanisch über das Gestänge und pneumatisch mit Synchrontestern. Das sind Unterdruckuhren, die Sie auf jeden Ansaugtrichter aufsetzen. Ziel: alle vier Uhren zeigen den gleichen Wert. Erst das Gestänge einstellen, bis alle Drosselklappen mechanisch exakt gleichzeitig öffnen. Dann die Leerlaufanschläge so justieren, dass auch pneumatisch alles stimmt.

Leerlaufgemisch — die Kunst der feinen Klinge

Die Leerlaufgemischschrauben sind das Herzstück der Vergasereinstellung. Diese kleinen Schrauben regulieren das Benzin-Luft-Gemisch im Leerlauf und im unteren Teillastbereich. Falsch eingestellt, stottert der Motor oder geht aus. Richtig eingestellt, schnurrt er wie eine Katze.

Grundeinstellung: Alle Gemischschrauben vorsichtig ganz eindrehen, dann wieder 1,5 bis 2,5 Umdrehungen herausdrehen. Das ist der Startwert, nicht die Endeinstellung. Die Feinarbeit kommt bei betriebswarmem Motor.

Motor laufen lassen, eine Gemischschraube nach der anderen bearbeiten. Langsam hineindrehen (magerer), bis die Drehzahl abfällt. Dann wieder herausdrehen (fetter), bis der Motor am rundesten läuft. Das ist der optimale Punkt für diesen Zylinder. Leerlaufdrehzahl mit der Drosselklappen-Anschlagschraube korrigieren, weiter zum nächsten Zylinder.

Das klingt einfach, erfordert aber Geduld und ein gutes Gehör. Nach 20 Jahren in der Werkstatt höre ich am Motorklang, ob ein Zylinder zu fett oder zu mager läuft. Das lernen Sie nicht aus Büchern, das kommt nur durch Erfahrung.

„Bei meinem 2002er mit Doppelweber stelle ich jede Gemischschraube einzeln ein, bis der Motor richtig rund läuft. Dauert eine Weile, aber das Ergebnis stimmt dann. CO-Wert liegt bei allen Zylindern um die 4 Prozent“ (sinngemäß)

— Nutzer im BMW-02-Club Forum (zum Thread)

CO-Messung — Präzision statt Gehör

Wer es ganz genau wissen will, arbeitet mit einem CO-Tester. Vier Prozent CO im Leerlauf — das ist der Zielwert, den erfahrene Weber-Abstimmer anstreben. Manche Profis gehen sogar so weit, dass sie für jeden Zylinder ein Lambdasondengewinde in den Abgaskrümmer schweißen lassen. Dann kann man jeden Zylinder einzeln messen und exakt auf den gleichen CO-Wert einstellen.

Für den Hobbyschrauber reicht ein einfacher CO-Tester aus dem Kfz-Handel. Wichtig: Messen Sie bei betriebswarmem Motor und stabiler Leerlaufdrehzahl. Die Messsonde gehört tief in den Auspuff, nicht nur oberflächlich rangehalten.

Eine alternative Methode für ältere Fahrzeuge mit Kontaktzündung: die Einstellung mit der Stroboskoplampe. Gemischschraube so weit mager drehen, bis der Zündfunke unregelmäßig wird — erkennbar am Flackern des Stroboskoplichts. Dann wieder fetter drehen, bis der Blitz sauber und gleichmäßig kommt. Diese Methode funktioniert nur bei Unterbrecherzündung, bei elektronischen Zündanlagen ist der Funke zu konstant.

Solex — der sanftere Europäer

Der Solex 32 PBIC Fallstrom-Vergaser mit Messinggehäuse, Schwimmerkammer und seitlichen Anschlüssen vor dunklem Studio-Hintergrund.
Solex 32 PBIC — der klassische europäische Fallstrom-Vergaser.

Solex-Vergaser haben einen anderen Charakter als Weber. Weniger aggressiv, dafür oft feinfühliger in der Beschleunigungspumpen-Einstellung. Das berichtet zumindest ein Nutzer im Motor-Talk Forum, der beide Systeme verglichen hat. Die Teileversorgung ist allerdings deutlich schlechter als bei Weber — ein wichtiger Punkt bei der Auswahl.

Die Grundeinstellung erfolgt ähnlich wie bei Weber: Vergaser reinigen, Falschluft prüfen, synchronisieren, Gemisch einstellen. Bei Solex 40 PHH ist die Schwimmerkammer-Einstellung besonders kritisch. Hier sammeln sich gerne Verunreinigungen, die das Schwimmernadelventil blockieren.

Ein typisches Solex-Problem: stotterndes Beschleunigen aus dem Leerlauf heraus. Meist liegt es an der Beschleunigungspumpe oder an verstopften Übergangsbohrungen zwischen Leerlauf- und Hauptdüsensystem. Diese winzigen Kanäle sehen Sie oft erst, wenn der Vergaser komplett zerlegt ist.

SU-Vergaser — britische Eigenarten

Der SU HS6 Gleichdruck-Vergaser mit charakteristischem Dashpot-Dämpfer, Drosselklappe und Benzinzuführung in Detailansicht.
SU HS6 — britischer Gleichdruck-Vergaser mit Dashpot.

SU-Vergaser funktionieren nach einem völlig anderen Prinzip. Statt fester Venturi-Rohre arbeiten sie mit einer beweglichen Kolben-Nadel-Kombination. Das macht sie unempfindlicher gegen Drehzahländerungen, aber auch komplizierter in der Einstellung.

Die Synchronisation erfolgt hier über die Drosselklappen-Anschläge und die Unterdruckdämpfer. Jeder SU hat einen kleinen Öldämpfer im Kolben — meist SAE 20W-50 Motoröl, manchmal auch spezielles Dämpferöl. Ohne korrekte Ölfüllung arbeitet der Vergaser träge oder gar nicht.

Das Gemisch stellen Sie über die Nadelposition ein. Die Nadel hat verschiedene Profile — je nach Motor und gewünschtem Fahrverhalten. Eine zu reiche Nadel macht den Motor träge, eine zu magere führt zu Rucklern bei Beschleunigung. Die Grundeinstellung erfolgt über die Anschlagschraube am Kolben, die Feinabstimmung über das Nadelprofil.

Bedüsung — das Zusammenspiel aller Komponenten

Die richtige Bedüsung ist Wissenschaft und Kunst zugleich. Hauptdüse, Luftkorrekturdüse, Leerlaufdüse, Mischrohr — alle Komponenten müssen zusammenpassen. Ein Motor mit sportlicher Nockenwelle braucht andere Düsen als ein Serienmotor. Ein 2-Liter-Motor andere als ein 1,6-Liter.

Faustregel für Weber DCOE: Die Hauptdüse sollte etwa 100-120 Prozent des Hubraums pro Zylinder entsprechen. Bei einem 2-Liter-Vierzylinder also 125-150er Hauptdüsen. Das ist aber nur der Startwert — die Feinabstimmung erfolgt auf dem Prüfstand oder der Straße.

Wenn die Leerlaufgemischschraube selbst bei komplett eingedrehter Stellung das Gemisch nicht mager genug bekommt, ist meist die Leerlaufdüse zu groß. Umgekehrt: Läuft der Motor nur bei komplett herausgedrehter Gemischschraube rund, brauchen Sie eine größere Leerlaufdüse.

Selection and tuning of Weber DCOE carburettors — Classic Rally Club — Detaillierte Anleitung zur Düsenauswahl mit Berechnungsformeln und Praxistipps aus dem Motorsport.

Werkzeuge und Material — was Sie wirklich brauchen

Eine saubere Vergaser-Überholung braucht das richtige Werkzeug. Synchrontester für die Drosselklappen-Einstellung — entweder mechanische Unterdruckuhren oder elektronische Geräte wie das TwinMax von Motion Pro. Kostenpunkt: 80 bis 200 Euro, je nach Ausführung.

Für die Reinigung: Ultraschallbad (ab 150 Euro für brauchbare Geräte), Vergaserreiniger, Druckluftpistole, Silikonentferner für Gummiteile. Dazu einen Satz Torx- und Schlitzschraubendreher, Kombizangen, und eine Lupe für die Kontrolle der Düsen.

Material: Vergaser-Dichtungssätze (20-40 Euro pro Vergaser), neue Düsen falls erforderlich (3-8 Euro pro Stück), Kraftstoffdruckprüfer (30 Euro), CO-Tester (ab 200 Euro gebraucht). Zeitaufwand: einen ganzen Tag für eine Doppelvergaseranlage, wenn Sie sauber arbeiten wollen.

Typische Fehler — was garantiert schiefgeht

Der häufigste Fehler: Vergaser einstellen, bevor er sauber ist. Verstopfte Leerlaufkanäle kann keine Gemischschraube kompensieren. Zweithäufigster Fehler: Falschluft ignorieren. Ein undichter Flansch macht jede perfekte Einstellung zunichte.

Mechanische Fallen: Drosselklappen-Synchronisation ohne Werkzeug. Mit dem Finger fühlen oder „nach Augenmaß“ — das funktioniert nicht. Die Unterschiede sind zu gering. Verwechslung von Haupt- und Luftkorrekturdüsen beim Zusammenbau. Sehen ähnlich aus, haben aber völlig verschiedene Funktionen.

Elektrische Probleme: Falsche Zündeinstellung überdeckt Vergaserprobleme. Erst die Zündung perfekt einstellen, dann den Vergaser. Umgekehrt funktioniert nicht. Defekte Benzinpumpe oder verstopfter Kraftstofffilter — das beste Vergasertuning hilft nichts, wenn kein Benzin ankommt.

„Hatte wochenlang Probleme mit dem Leerlauf. Alle Schrauben verstellt, neue Düsen gekauft — am Ende war nur die Ansaugbrücke undicht. Eine neue Dichtung hat das Problem gelöst“ (sinngemäß)

— Nutzer im Motor-Talk Forum (zum Thread)

Wann Sie die Finger davon lassen sollten

Vergasereinstellung ist kein Hexenwerk, aber auch kein Kinderspiel. Wenn Sie noch nie einen Vergaser zerlegt haben, fangen Sie nicht mit Ihrem wertvollen Oldtimer an. Üben Sie an einem günstigen Ersatzvergaser oder lassen Sie die Arbeit vom Fachmann machen.

Bestimmte Arbeiten gehören definitiv in Profihände: Vergasergehäuse-Reparaturen, Flansch-Planschliff, Düsen-Nacharbeit. Hier können Fehler den ganzen Vergaser ruinieren. Eine komplette Überholung beim Spezialisten kostet 200 bis 400 Euro pro Vergaser — oft günstiger als selbst ruinierte Teile zu ersetzen.

Auch die Erstabstimmung nach einem Motorumbau überlassen Sie besser dem Experten. Falsche Bedüsung kann den Motor beschädigen — mageres Gemisch führt zu Überhitzung, fettes Gemisch zu Ölverdünnung und vorzeitigem Verschleiß.

Das Ergebnis — wenn alles stimmt

Ein perfekt eingestellter Vergaser ist ein Kunstwerk. Der Motor startet sofort, auch kalt. Der Leerlauf ist stabil und rund. Bei Beschleunigung gibt es keine Aussetzer oder Stotterer. Der Verbrauch liegt im vernünftigen Rahmen. Und der Sound — ein gut abgestimmter Doppelvergaser klingt einfach richtig.

In meiner Werkstatt messe ich nach jeder Vergasereinstellung alle Parameter: CO-Werte aller Zylinder, Leerlaufdrehzahl, Synchronisation. Erst wenn alles stimmt, geht das Auto raus. Das dauert, aber dafür funktioniert es dann auch.

Gute Vergasereinstellung ist wie gute Handwerksarbeit: Man sieht es nicht sofort, aber man spürt es bei jeder Fahrt. Der Motor läuft runder, reagiert spontaner, verbraucht weniger. Das ist der Unterschied zwischen einer Reparatur und einer Restaurierung.

Video-Anleitungen: Zusehen, verstehen, nachmachen

Die besten deutschsprachigen Tutorials zum Vergaser-Einstellen — ausgewählt aus der Oldtimer-Community auf YouTube.

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