Oldtimer-Rallyes für Einsteiger: Der komplette Guide für 2026
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Die Dame am Telefon lachte. „79 Euro? Das kostet ja weniger als einmal volltanken!“ Stimmt. Die Ortenburger Rallye Ende Juni — günstiger geht’s nicht. Ihr Mann hatte sich gerade einen 911er Carrera von 1985 gekauft. 62.000 Euro. Matching Numbers. Jetzt wollte er damit fahren. Nicht nur in die Garage und zurück.
Ich kenne das. Seit 40 Jahren handel ich mit Oldtimern, und die Frage kommt immer öfter: Kann ich mit meinem Schätzchen auch mal richtig fahren? Klar können Sie. 96 Rallyes und Ausfahrten gibt’s 2026 allein auf oldtimer-4you.de. 30 Prozent mehr als vor drei Jahren.
Aber fangen wir von vorne an.
H-Kennzeichen kostet 191,73 Euro im Jahr. Egal ob Ihr Porsche 6 oder 12 Zylinder hat. Das rote 07er kostet genauso viel, gilt aber für mehrere Autos. Dafür dürfen Sie damit nur zu Veranstaltungen. Und müssen Fahrtenbuch führen. Nervt, aber bei drei Oldtimern lohnt’s sich.
Die meisten nehmen H plus Saisonkennzeichen. Von November bis März steht der Wagen eh in der Garage. Spart ungefähr 95 Euro.
Was eine Rallye kostet? Die ADAC Donautal Classic will 119 Euro für 200 Kilometer. Die Maxlrain Classic 199 Euro für 160 Kilometer. Am teuersten ist die Regensburger Classic mit 440 Euro. Aber ehrlich — das ist Peanuts im Vergleich zu dem, was unsereiner für Wartung ausgibt.
Dazu kommen Hotel, Sprit, eventuell Trailer. Und der Check vorher. Den sollten Sie zwei Wochen vor der Rallye machen lassen. Nicht am Tag davor — falls was ist, brauchen Sie Zeit für Ersatzteile.
Neulich hatte ich einen Kunden mit einem BMW 2002. Wollte zur ADAC Drei Tage Rallye Classic. 850 Kilometer. Ich sagte: Lass mal die Antriebswellen checken. Er wollte nicht. „Läuft doch!“ Am zweiten Tag lag er mit gerissenem Gelenk am Straßenrand. 1.200 Euro Abschleppen. Hätte er mal gehört.
Die wichtigste Frage kommt immer zuerst: „Welches Auto soll ich nehmen?“ Meine Antwort: Das, was Sie haben. Hauptsache technisch okay.
Klar macht eine Pagode auf jeder Rallye was her. Kostet aber auch 85.000 bis 110.000 Euro in Zustand 2. Wer da bei jedem Steinschlag Herzrasen kriegt, bleibt besser zu Hause. Ein Golf GTI für 25.000? Perfekt! Ein Opel Kadett C? Warum nicht! Die anderen Teilnehmer gucken nicht auf den Preis, sondern ob Sie Spaß haben.
Bei Porsche-Sammlern ist das anders. Da zählen nur die großen Namen: Mille Miglia, Tour Auto, Ennstal-Classic. Wer da mitgefahren ist, kann 10-15 Prozent aufschlagen. Der Rest? Mindert eher den Wert. Ein 911er mit 50 Rallye-Teilnahmen kauft kein Sammler zum Höchstpreis. Die wollen Garage Queens.
Deswegen haben viele meiner Kunden einen Zweitwagen nur für Rallyes. Mercedes W123, BMW E30, Volvo Amazon. Robuste Kisten, die Kilometer vertragen. Steinschlag? Egal. Hauptsache fahren.
Rallye ist übrigens nicht gleich Rallye. Bei einer Oldtimer-Rallye geht’s nicht um Geschwindigkeit. Sie kriegen ein Roadbook mit Anweisungen und müssen bestimmte Punkte zur richtigen Zeit erreichen. Zu früh ist genauso schlecht wie zu spät. Bei FIVA-Rallyes liegt der Schnitt sogar bei maximal 50 km/h. Schafft auch ein Käfer.
Eine Ausfahrt ist entspannter. Da fahren Sie in der Gruppe, machen Pausen, schauen sich was an. Keine Wertung, kein Stress. Für den Anfang ideal.
Die FIVA teilt die Autos in Baujahrsklassen. Von A (bis 1904, die „Ancestors“) bis H (ab 1981, mindestens 30 Jahre alt). Sie fahren gegen vergleichbare Autos, nicht gegen einen Vorkriegs-Bentley. Macht auch mehr Sinn.
Für Einsteiger rate ich zu Autos zwischen 1970 und 1990. Die Technik ist robust, Teile gibt’s noch. Porsche 924 für 15.000 Euro, Alfa Spider für 20.000, Mercedes W126 für 25.000. Alles gute Rallye-Autos.
Am Rallye-Tag stehen Sie früh auf. Sehr früh. Start ist meist zwischen 8 und 9, Abnahme schon ab 7. Planen Sie Puffer ein. Gehetzt ankommen ist Mist.
Bei der Abnahme checken die Ihre Papiere und die Technik. Feuerlöscher dabei? Warndreieck? Verbandskasten? Steht alles in der Ausschreibung. Dann kriegen Sie Startnummer und Roadbook. Manche arbeiten mit GPS, andere klassisch mit Papier. Ich mag Papier. Bin aber auch 65.
Der Start erfolgt im Minutenabstand. Sie haben die Straße für sich. Kein Pulk, kein Gedrängel. Fahren Sie Ihr Tempo. Versuchen Sie nicht, den Vordermann einzuholen. Das ist keine Rennstrecke.
Was Sie mitnehmen sollten: Motoröl, Kühlwasser, Starthilfekabel, Abschleppseil. Paar Sicherungen, Glühlampen, Klebeband. Und Klopapier. Manche Rastplätze sind echt spartanisch.
Das Roadbook sollten Sie vorher mal anschauen. Nicht auswendig lernen, aber die Symbole verstehen. Viele Veranstalter bieten Einsteiger-Briefings. Nutzen Sie das! Die alten Hasen helfen gerne.
Nach der Rallye ist die Siegerehrung Pflicht. Auch wenn Sie Letzter wurden. Da gibt’s die besten Tipps fürs nächste Mal. Und die Geschichten. Mein Gott, die Geschichten! Wer wo liegengeblieben ist, wer sich verfahren hat, wer sein Roadbook verloren hat. Herrlich.
Danach lassen Sie Ihr Auto checken. 200 Kilometer Landstraße, womöglich bei Regen — das geht an die Substanz. Lockerer Auspuff, undichte Stellen, verschlissene Wischer. Jetzt finden, nicht bei der nächsten Rallye.
Und dann? Dann sind Sie infiziert. Ich kenne keinen, der nur einmal mitgefahren ist. Die Szene ist wie Familie. Man trifft sich wieder, erkennt die Autos, die Leute.
Für 2026 empfehle ich drei Rallyes besonders:
Die Ortenburger im Juni. 79 Euro, zwei Tage, entspannte Atmosphäre. Perfekt zum Reinschnuppern. Die ADAC Donautal Classic. 119 Euro, 200 Kilometer durch Bayern. Professionell organisiert, trotzdem nicht abgehoben. Und für Ambitionierte die ADAC Drei Tage Rallye im April. 850 Kilometer — das ist schon was. Aber top organisiert.
Der Markt für Klassiker boomt weiter. Classic Analytics meldet zweistellige Zuwächse. Wer jetzt kauft und fährt, macht nichts verkehrt. Wer nur kauft und einstellt, verpasst das Beste.
Ein Oldtimer der nicht bewegt wird ist wie eine Stradivari in der Vitrine. Schön, aber tot.
Die Dame hat übrigens angemeldet. Ihr Mann auch.