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Audi Urquattro: Allradtechnik verstehen und warten

Audi Urquattro: Allradtechnik verstehen und warten

Zuletzt aktualisiert am

Lesedauer: 12 Min.

Schnee, Schotter, Alpenpässe, als der Audi quattro im März 1980 auf dem Genfer Auto-Salon vor die internationale Presse fuhr, hatte kaum jemand erwartet, dass ein Serienauto mit permanentem Allradantrieb, zweihundert PS und einem Leergewicht von 1290 Kilogramm ausgerechnet aus dem Alltagsprogramm eines deutschen Volumenherstellers stammen würde. Doch genau das war dieser Wagen: kein Sonderexperiment, sondern eine ingenieurstechnische Konsequenz, die Ferdinand Piëch als Entwicklungsvorstand, Walter Treser als Projektleiter, Jörg Bensinger als Leiter des Fahrwerkversuchs und Franz Tengler als Abteilungsleiter der Getriebekonstruktion gemeinsam auf die Straße gebracht hatten.

Kurzfazit: Der Audi quattro von 1980 war mit seinem permanenten Allradantrieb ohne konventionelles Verteilergetriebe eine ingenieurstechnische Besonderheit, die durch eine hohlgebohrte Getriebesekundärwelle realisiert wurde. Über drei Motorengenerationen, vom mechanisch einspritzenden WR bis zum elektronisch gesteuerten 20-Ventil-RR, entwickelte sich das Fahrzeug technisch erheblich weiter, was im Unterhalt jeweils spezifische Kenntnisse erfordert. Besitzer sollten besonders das Unterdrucksystem der Differenzialsperren im Blick behalten, da es eine typische und wiederkehrende Schwachstelle darstellt.

Was diesen Antrieb so bemerkenswert machte, war weniger die Idee des Allrads an sich als die Art, wie man ihn realisierte. Der Entwicklungsauftrag 262, 1977 in Gang gesetzt, mündete in eine Lösung ohne das bis dahin übliche, voluminöse Verteilergetriebe. Stattdessen bohrten die Ingenieure die Sekundärwelle im Getriebe hohl, eine Maßnahme von bestechender Nüchternheit. Durch diesen Kanal lief eine zweite Welle, die die Antriebskraft nach vorne leitete, während die Hohlwelle selbst das Mittendifferenzial antrieb, das seinerseits per Kardanwelle die Hinterachse versorgte. Die Standardverteilung lautete fifty-fifty. Bei den frühen WR-Modellen war das Mittendifferenzial manuell vollständig sperrbar; mit der Modellpflege zum Modelljahr 1988, also ab August 1987 und der MB-Version, kam stattdessen ein selbstsperrendes Torsen-Mittendifferenzial zum Einsatz.

Den fünfzylindrigen Turbomotor der ersten Serie mit seiner Leistungsabgabe von 147 kW bei 5500 U/min und einer Verdichtung von 7,0:1 in ein solches Getriebe zu integrieren, ohne die Gesamtarchitektur zu sprengen, war die eigentliche konstruktive Leistung. Der erste Prototyp, intern „A1″ genannt, war noch ein modifizierter Audi 80. Was daraus wurde, veränderte den Fahrzeugbau grundlegend.

Inhalt dieses Beitrags
  1. Konstruktion und Funktionsprinzip
  2. WR (1980–1987): der Ur-Motor
  3. MB (1987–1989): mehr Drehmoment, digitale Zündung
  4. RR (1989–1991): der 20-Ventiler
  5. Schwachstellen und Lösungsansätze
  6. Häufige Fehler und wie man sie vermeidet
  7. Wie die Konkurrenz es gelöst hat
  8. Heute am Markt

Konstruktion und Funktionsprinzip

Was aus dem modifizierten Versuchsträger schließlich hervorging, war keine klassische Allradkonstruktion mit einem zusätzlichen, schweren Verteilergetriebe, genau das war die entscheidende Weichenstellung. Projektleiter Walter Treser, Fahrwerkversuch-Leiter Jörg Bensinger und Getriebekonstrukteur Franz Tengler lösten das Platzproblem mit einem ingeniösen Kunstgriff: Im Inneren des Getriebes wurde eine hohlgebohrte Sekundärwelle untergebracht, durch die eine zweite, innenliegende Welle geführt ist. Diese innere Welle leitet die Antriebskraft direkt zum vorderen Achsdifferenzial, während die äußere Hohlwelle das Mittendifferenzial antreibt, das seinerseits die Kraft über eine Kardanwelle an die Hinterachse weitergibt. Das Ergebnis ist ein vollständig permanentes Allradsystem mit drei Differenzialen, eines an der Vorderachse, eines an der Hinterachse, eines dazwischen, auf einem Bauraum, der kaum größer ist als der eines konventionellen Frontantriebsgetriebes.

Das Mittendifferenzial der frühen Fahrzeuge arbeitete als offenes Kegelraddifferenzial mit einer standardmäßigen Kraftverteilung von gleichen Teilen auf Vorder- und Hinterachse. Beim Traktionsverlust konnte der Fahrer per Schalter in der Mittelkonsole manuell eingreifen und das Differenzial vollständig sperren, anfangs über einen Seilzug, später über ein Unterdrucksystem. In der zweiten Schaltstufe ließ sich zusätzlich das hintere Achsdifferenzial sperren, ebenfalls als offenes Kegelradsystem ausgeführt.

Mit der MB-Version ab August 1987, dem Modelljahr 1988, ersetzte Ferdinand Piëchs Entwicklungsabteilung das manuell sperrbare Mittendifferenzial durch ein Torsen-Differenzial. Das Prinzip dieses Schneckenrad-Differenzials beruht auf Torque Sensing: Es arbeitet rein mechanisch und ohne Fahrereingabe, sobald eine Achse an Traktion verliert, wird das Antriebsmoment stufenlos und selbsttätig zur Achse mit dem besseren Grip umgeleitet. Die mögliche Spreizung der Kraftverteilung zwischen den Achsen ist dabei erheblich und erlaubt eine deutliche Verlagerung in Richtung der jeweils griffigeren Achse. Damit wandelte sich das System vom aktiv zu bedienenden Werkzeug zum passiv reagierenden Sicherheitsnetz.

WR (1980–1987): der Ur-Motor

Während das Fahrwerk also zunehmend selbsttätig agierte, blieb der Antrieb über viele Jahre hinweg einem einzigen Motor-Grundkonzept treu, das den Charakter des Urquattro maßgeblich prägte. Der Motorcode WR bezeichnet jene Einheit, die von 1980 bis 1987 im Quattro arbeitete und die Grundlage des gesamten Mythos bildete. Die Gemischaufbereitung übernahm dabei eine mechanische Saugrohreinspritzung nach dem Bosch-K-Jetronic-Prinzip, ein System, das auf eine präzise Abstimmung angewiesen ist und im Unterhalt entsprechende Sorgfalt verlangt.

Konstruktiv ist der WR als Zehn-Ventil-Aggregat ausgeführt, also mit zwei Ventilen pro Zylinder. Diese vergleichsweise schlichte Auslegung tat seiner Wirkung keinen Abbruch: Die Kombination aus Turboaufladung und Ladeluftkühlung genügte, um dem Quattro jene Fahrleistungen zu verleihen, die das Fahrzeug sowohl auf der Rallye-Piste als auch auf öffentlichen Straßen zu einer Referenz machten. Wer heute einen frühen Urquattro aus diesem Bauzeitraum sein Eigen nennt, hat es mit eben diesem Triebwerk zu tun, mit all seinen Eigenheiten, die sorgfältige Pflege und ein fundiertes Verständnis der mechanischen Einspritzanlage voraussetzen. Die bauartbedingte Empfindlichkeit des K-Jetronic-Systems gegenüber Alterungserscheinungen an Membranen und Mengenteiler gehört dabei zu den Themen, denen sich jeder ernsthaft mit dem WR beschäftigende Besitzer früher oder später stellen muss.

MB (1987–1989): mehr Drehmoment, digitale Zündung

Mit dem Übergang zur MB-Motorisierung vollzog Audi eine behutsame, aber technisch folgerichtige Weiterentwicklung des bewährten Fünfzylinder-Turbotriebwerks. Der Hubraum wurde gegenüber dem WR leicht angehoben, um den Drehmomentverlauf spürbar zu verbessern, ein Ziel, das auf Kosten keiner zusätzlichen Nennleistung erreicht werden sollte: Auch der MB leistet nominell zweihundert PS. Die Maßnahme zielte damit weniger auf den Leistungsscheitel als auf die Kraftentfaltung im mittleren Drehzahlbereich, was den Alltags- und Langstreckeneinsatz des Fahrzeugs aufwertete.

Beibehalten wurde beim MB das grundlegende Einspritzprinzip: Wie schon beim WR arbeitet die Gemischbildung nach dem mechanischen Bosch-K-Jetronic-Prinzip, ergänzt um Turbolader und Ladeluftkühler. Wer die Eigenheiten dieses Systems aus dem Umgang mit dem Vorgängermotor kennt, findet sich also auch hier im vertrauten Terrain der Membran- und Mengenteiler-Wartung wieder. Der wesentliche technische Unterschied liegt an anderer Stelle: Der MB erhielt eine digitale Zündanlage, die ihn vom WR in der Diagnose und Pflege unterscheidet und bei der Fehlersuche andere Kenntnisse erfordert.

Gebaut wurde der MB von 1987 bis 1989, er markiert damit die mittlere Entwicklungsstufe des Urquattro und bildet die Brücke zwischen dem mythenbildenden Erstmotor und dem technologisch deutlich ambitionierteren Nachfolger. Wer ein Fahrzeug aus diesem Bauzeitraum betreut, sollte insbesondere die spezifischen Anforderungen der digitalen Zündanlage im Wartungsalltag im Blick behalten, ein Detail, das im Vergleich zum WR eine eigene Auseinandersetzung verlangt.

RR (1989–1991): der 20-Ventiler

Der technologische Sprung, den der MB gegenüber seinem Vorgänger darstellte, wirkt im Rückblick fast bescheiden, sobald man den letzten Entwicklungsstand des Urquattro-Motors in den Blick nimmt.

Das entscheidende Merkmal des RR ist die Umstellung auf eine 20-Ventil-Architektur, also vier Ventile pro Zylinder. Damit war der Urquattro das erste Fahrzeug, das einen 20-Ventil-Turbomotor in dieser Baureihe trug, eine Konstruktion, die sowohl die Leistungsausbeute als auch die Effizienz gegenüber den 10-Ventil-Vorgängern spürbar verbesserte.

Ebenso einschneidend ist der Wechsel in der Gemischbildung: Statt der mechanischen Saugrohreinspritzung nach Bosch K-Jetronic, die WR und MB gleichermaßen kennzeichnete, kommt beim RR eine vollständig elektronische, kennfeldgesteuerte Saugrohreinspritzung nach dem Bosch-Motronic-Prinzip zum Einsatz. Dieser Übergang von mechanischer zu elektronischer Steuerung markiert einen Paradigmenwechsel im Wartungsalltag. Wer ein RR-Fahrzeug betreut, bewegt sich damit in einer anderen Diagnosewelt als bei den frühen Modellen, eine Tatsache, die bei der Ersatzteilbeschaffung ebenso wie bei der Fehlersuche berücksichtigt werden muss. Der RR schließt die Motorengeschichte des Urquattro auf einem technologisch deutlich avancierten Niveau ab.

Motorvarianten im Überblick

MotorcodeBauzeitHubraumVentileLeistungEinspritzung / SteuerungMarkt / BesonderheitMittendifferenzial
WR07/1980–07/19872.144 cm³10V147 kW / 200 PSBosch K-Jetronicfrühe Hauptversion ohne Katmanuell sperrbar, zusätzlich Hinterachssperre
GV07/1980–07/19872.144 cm³10V147 kW / 200 PSBosch K-JetronicSchweiz/Schweden-Variantemanuell sperrbar, zusätzlich Hinterachssperre
WX08/1984–07/19892.144 cm³10V119 kW / 162 PSgeregelte mechanische Einspritzung, Kat-VersionJapan/Schweiz, G-Katfrühe Ausführungen manuell sperrbar; je nach Baujahr/Technikstand sauber prüfen
MB08/1987–07/19892.226 cm³10V147 kW / 200 PSBosch K-Jetronic, mit Klopfregelungspätere 10V-Version, mehr DrehmomentcharakterTorsen-Mittendifferenzial, Hinterachsdifferenzial weiterhin sperrbar
RR08/1989–07/19912.226 cm³20V162 kW / 220 PSBosch Motronicletzte 20V-Version mit G-KatTorsen-Mittendifferenzial, Hinterachsdifferenzial sperrbar

Je nach Markt, Baujahr und Abgasversion können Ausstattungsdetails abweichen. Besonders GV und WX betreffen spezifische Markt- und Kat-Ausführungen und werden in vielen allgemeinen Urquattro-Übersichten nicht gesondert behandelt.

Schwachstellen und Lösungsansätze

Unabhängig davon, ob ein früher oder später Urquattro auf der Hebebühne steht, kehren bestimmte Problembilder in der Praxis immer wieder. Das auffälligste betrifft das Unterdrucksystem, über das bei den frühen Fahrzeugen die Sperren von Mittel- und Hinterachsdifferenzial betätigt werden. Zeigt ein Fahrzeug in engen Kurven ein hartnäckiges Verspannen im Antriebsstrang, es hüpft, stockt oder wirkt wie gebremst, deutet das auf eine Sperre hin, die nicht mehr vollständig löst. Im Cockpit äußert sich das häufig durch eine dauerhaft oder unregelmäßig leuchtende Kontrollleuchte für die Sperren, was den Fehler zumindest eingrenzt.

Die häufigste Ursache liegt nicht in den Differenzialen selbst, sondern im Unterdrucksystem davor: poröse Schläuche oder defekte Membrandosen an den Stellgliedern der Differentiale lassen den Unterdruck abfallen, bevor er am Ziel ankommt. Auch der Drehschalter in der Mittelkonsole, über den der Fahrer die Sperren anwählt, kann intern verschleißen und fehlerhafte Signale senden.

Die systematische Fehlersuche beginnt am Schalter, verfolgt die Unterdruckleitungen entlang ihrer gesamten Strecke und endet an den Membrandosen der Differentiale. Eine Vakuumpumpe ist dabei das zentrale Hilfsmittel: Jeder Abschnitt des Systems lässt sich so isoliert auf Dichtheit prüfen, ohne das gesamte Fahrzeug auseinanderzunehmen. Ein Nutzer im Audifieber-Forum beschreibt diesen Weg als einzig verlässliche Methode, weil die Leitungen teils schwer zugänglich verlegt sind und ein bloßer Augenschein poröse Stellen oft nicht verrät. Defekte Schläuche werden ausgetauscht; die Membrandosen sind, sofern verfügbar, als Einzelteile zu beschaffen. Der Zeitaufwand für die Fehlersuche ist nicht zu unterschätzen, die eigentliche Reparatur dagegen ist handwerklich überschaubar, sobald die undichte Stelle lokalisiert ist.

Wartungs-Check beim Audi Urquattro

BereichWorauf achten?
UnterdrucksystemSchläuche, Membrandosen, Schalter, Kontrollleuchten
Differenzialsperrenvollständiges Lösen prüfen, Verspannung in engen Kurven vermeiden
K-/KE-JetronicWarmlauf, Druckprüfung, Mengenteiler, Falschluft
TurboladerLadedruck, Ölversorgung, Spiel, Undichtigkeiten
Elektrikdigitale Anzeigen, Massepunkte, Sensorik
KarosserieKotflügel, Schweller, Radläufe, Front-/Heckpartie
InnenraumSitzstoffe, Mäusekino, spezifische Schalter

Weitere Prüfpunkte für Besichtigung und Werkstatt-Termin:

  • Kotflügel vorn, Stehbleche
  • Schweller, Wagenheberaufnahmen
  • Radläufe, Endspitzen
  • A-Säulen, Windfangblech
  • Zylinderkopf (Risse), Dichtung
  • Zentralhydraulik, Lenkgetriebe
  • Getriebesynchronisierung
  • Motorsteuerung, Zündung
  • Auspuffkrümmer, Turbolader
  • Zahnriemen, Wasserpumpe
  • Einspritzventile K-Jetronic
  • Tuning, Originalität, Unfälle

Häufige Fehler und wie man sie vermeidet

Der klassische Fehler beim Urquattro ist nicht die übersehene Undichtigkeit selbst, sondern das falsche Interpretieren der Symptome im Vorfeld. Ein Urquattro, der in engen Kurven spürbar hüpft, unwillig abbremst oder sich wie festgebunden anfühlt, wird nicht selten voreilig auf Defekte an Fahrwerk oder Bremsen untersucht, dabei ist das Bild eindeutig: Eine nicht vollständig gelöste Differenzialsperre erzeugt exakt dieses Verhalten, weil das Antriebssystem zwischen Vorder- und Hinterachse dauerhaft verspannt bleibt.

Die Kontrollleuchte der Sperren ist dabei ein Hinweis, aber kein zuverlässiges Alleinmerkmal: Eine mechanisch eingerastete Sperre meldet die Elektronik nicht immer sauber zurück. Und wer die Ursache vorschnell nur am Drehschalter in der Mittelkonsole sucht, verliert Zeit, die eigentlichen Leitungen und Stellglieder an den Differenzialen selbst werden im Alltag zu oft übersprungen.

Hinzu kommt eine systembedingte Besonderheit: Fahrzeuge bis einschließlich Modelljahr 1987 (WR/GV) verfügen über ein manuell sperrbares Mittendifferenzial. Bei Fahrzeugen mit dem ab August 1987 (Modelljahr 1988) verbauten Torsen-Differenzial (MB/RR) entfällt diese manuelle Sperre, das Hinterachsdifferenzial bleibt weiterhin sperrbar. Wer an einem frühen Fahrzeug arbeitet und die Bauvariante nicht kennt, riskiert, das Unterdrucksystem des Mittendifferenzials gar nicht erst in seine Fehlersuche einzubeziehen, ein Fehler mit direkten Folgen für Diagnose und Reparaturweg.

Wie die Konkurrenz es gelöst hat

Dass das Thema der Bauvarianten-Unterscheidung praktische Konsequenzen hat, wird deutlicher, wenn man einen Blick auf die zeitgenössischen Alternativen anderer Hersteller wirft, und damit auf die grundlegend unterschiedlichen Wege, die zur gleichen Zeit beschritten wurden. Ganz neu war Allrad im sportlichen Pkw nicht: Der Jensen FF hatte bereits Ende der 1960er Jahre einen aufwendigen Allradantrieb in einem luxuriösen Gran Turismo umgesetzt. Die Anlage blieb jedoch dem Bereich eines Kleinstserie-Luxus-GT vorbehalten und war nie als Grundlage für einen Großserien-Sportwagen gedacht.

AMC wiederum setzte beim Eagle auf einen permanenten Antrieb mit Visco-Kupplung als Mittendifferenzial, allerdings mit dem klaren Entwicklungsziel der Allwettertauglichkeit für den alltäglichen Pkw-Betrieb, sportliche Einsatzszenarien standen dabei nicht im Vordergrund.

Besonders aufschlussreich ist schließlich die Haltung der deutschen Premium-Konkurrenten BMW und Mercedes-Benz in dieser Phase: Beide Hersteller hielten in den frühen 1980er Jahren am klassischen Hinterradantrieb fest und sahen für ihr jeweiliges Pkw-Segment zunächst keine Notwendigkeit, auf Allradtechnik zu setzen. Eigene Systeme, wie die spätere 4MATIC bei Mercedes-Benz, kamen erst Mitte der 1980er Jahre auf den Markt.

Der technische Mythos des Urquattro entstand nicht allein auf der Straße. Erst die Rallye-Einsätze machten sichtbar, welches Potenzial der permanente Allradantrieb hatte. Die Erfolge in der Rallye-Weltmeisterschaft verwandelten eine ungewöhnliche technische Lösung in ein Markenzeichen, das Audi bis heute prägt.

Heute am Markt

Das Zögern der Konkurrenz hatte dem Urquattro einen Vorsprung verschafft, der sich heute in stabilen und weiter steigenden Marktpreisen widerspiegelt. Das Sammlerinteresse gilt als sehr hoch, und originale, unverbastelte Fahrzeuge in gutem Zustand erzielen dabei besonders gute Preise. Frühe Modelle sowie der 20V sind tendenziell teurer als der Durchschnitt der Baureihe; der Sport Quattro bildet eine vollständig eigene Preiskategorie. Die Seltenheit erklärt das: Insgesamt entstanden zwischen 1980 und 1991 nur 11.452 Exemplare des originalen Audi quattro, ursprünglich waren lediglich 400 Fahrzeuge geplant. Der Sport quattro ist davon klar zu trennen: Er war ein eigenständiges Homologationsmodell mit kurzem Radstand, 306 PS und laut Audi 214 gebauten Exemplaren. Wer ein gepflegtes Exemplar eines Standard-Modells erwerben möchte, muss sich auf ein erhebliches Investitionsvolumen einstellen, der Trend zeigt klar nach oben.

Bei der Aufarbeitung ist die Ersatzteilsituation das entscheidende Thema. Technische Verschleißteile sind über Audi Tradition sowie auf Allrad-Spezialisten ausgerichtete Händler noch in akzeptabler Breite verfügbar. Deutlich schwieriger gestaltet sich die Suche nach originalgetreuen Karosserieteilen wie Kotflügeln oder Stoßfängern sowie nach spezifischen Interieurkomponenten, darunter die passenden Sitzbezugsstoffe und die charakteristischen digitalen Fahrzeuganzeigen, die in der Szene als „Mäusekino“ bekannt sind. Auch Komponenten des Unterdrucksystems für die Differenzialsperren, Zierleisten und Embleme zählen zu den schwer aufzutreibenden Teilen. Zwar existiert ein Markt für Nachfertigungen, doch deren Qualität variiert erheblich. Spezialisierte Händler bleiben daher die verlässlichste Quelle für gebrauchte und überholte Originalteile, wenn Authentizität für eine Aufarbeitung Priorität hat.

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